DAS ZUVIEL
Jeder Übergewichtige kann es bestätigen: das Zuviel, ist schwer wieder wegzubringen. Viel schwerer, als es gewesen wäre, von Anfang an Mass zu halten. Jede Hobbygärtnerin weiss es: sie muss den Löwenzahn rechtzeitig in Schach halten, und wenn er noch so hübsch blüht. Denn gegen das Zuviel käme sie später nicht mehr an. Auch Süchtige aller Art haben es am eigenen Leib erfahren: wer nicht rechtzeitig Genügsamkeit im Genuss übt, wird später vom Zuviel beherrscht.
Einmal haben wir dieses Phänomen beim Flughafen bereits erfahren. Als die Flugbewegungen in den neunziger Jahren sprunghaft anstiegen, waren wir der Lawine ziemlich hilflos ausgeliefert. Es hätte schon eines erheblichen Widerstands bedurft, um dem Zuviel Einhalt zu gebieten. Aber wie der Gaumen schwerlich bereit ist, auf Genuss zu verzichten, wenn der Bauch zuviel zu tragen hat, so stand auch eine Mehrzahl jener, die in den Genuss des Wachstums kamen, den Lasten eher gleichgültig gegenüber.
Das Zuviel herrscht aber nicht ununterbrochen mit derselben Kraft. Gelegentlich wird sein Wachstum gebremst oder es kommt gar zu einem Rückgang. Eine Krankheit ist nichts Schönes %u2013 doch wer danach erfreut feststellt, wieder in eine durchschnittliche Kleidergrösse zu passen, tut gut daran, diese Chance zu nutzen.
Wir wollen nicht, dass unser Flughafen zum Skelett abmagert. Das wäre krankhaft, wenn nicht gar fatal. Wir lassen uns von Hoffnung leiten, dass sich die teuren Kuren zur Kräftigung der Swiss als erfolgreich erweisen. Schon allein deshalb, weil die Emissionen der Billigflieger und ausländischen Gesellschaften, die ihren Platz einnehmen würden, nicht angenehmer zu ertragen wären.
In der Krise besteht aber auch eine neue Chance, denn %u2013 so unerfreulich sie ist %u2013 sie hat den Flugverkehr wieder auf ein vernünftigeres Mass gebracht. Dass der Flughafen sich nun so schlecht erholt, ist unter anderem eine Folge früherer Masslosigkeit. Darum gilt es bereits jetzt, im Hinblick auf bessere Zeiten dem Appetit gewisse Schranken zu setzen. Denn wenn das Zuviel da ist, werden wir es nicht so schnell wieder los.