Wir fliegen viel zu billig.

Es ist keineswegs neu, dass der Luftverkehr sowohl die Anwohner als auch die Umwelt stark belastet. Doch seit Billigfluglinien wie Ryanair, EasyJet und neuerdings die Swiss mit Flugpreisen in Höhe einer Taxifahrt werben, scheint dies vergessen. Das neue Konzept mit billigen Europaflügen hat der Fluggesellschaft Swiss innert Monatsfrist gut 25% mehr Buchungen gebracht.

Diese Billigflüge sind für die Swiss jedoch höchstens psychologisch ein Gewinn, da ausser einer künstlich aufgeblasenen Auslastungsbilanz nur Schall und Rauch herauskommt. Düsenjets sind wahre Treibstoff-Fresser: ein moderner Airbus A330 verbraucht für einen Flug in die USA und zurück rund 150'000 Liter Treibstoff. Bei einer Sitzauslastung von 80% verfliegt eine vierköpfige Familie somit die erstaunliche Menge von 2'200 Litern Treibstoff - genug um ein Einfamilienhaus während zwei Jahren wohlig warm zu heizen!

Der Flugverkehr deckt die verursachten Kosten bei weitem nicht. Die Deckung der "externen Kosten", die durch Umweltverschmutzung und Lärmbelastung entstehen, würde das durchschnittliche Flugticket um mindestens ein Viertel verteuern. Insbesondere die Billigflüge werden von nichtfliegenden Steuerzahlern und Anwohnern massiv mitbezahlt und subventioniert. Die durch den Flugverkehr verursachten und nicht gedeckten Kosten schlagen sich neben der grossen Umwelt- und Klimabelastung auch nieder im Gesundheitswesen, in der Städteplanung und in der Wertverminderung von Immobilien. Der internationale Flugverkehr geniesst zusätzlich eine Vielzahl von Privilegien, namentlich die Befreiung von Treibstoff- und Mineralölsteuern ,die Befreiung von der Mehrwertsteuer und die Subventionierung von Bauten und Anlagen.

Es ist paradox, wenn Fluggesellschaften die Leute mit Billigtickets ins Flugzeug locken, dadurch vermehrt Umwelt und Anwohner belasten, von Subventionen und Privilegien profitieren, und erst noch keinen wirtschaftlichen Gewinn damit erzielen. Wäre es nicht sinnvoller, schlecht ausgelastete Flugzeuge am Boden zu lassen, und gleich Direktzahlungen an die Luftfahrtindustrie zu entrichten?

Warum wird im Luftverkehr nicht nach dem Verursacherprinzip abgerechnet? Warum soll nicht jeder Flugpassagier die wahren Kosten seines Fluges bezahlen? Beim Abfall gilt doch schon längst: wer Dreck macht muss auch dafür bezahlen.

9. Oktober 2003, von Markus Koller

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