Zeus' flotte Idee

"Die betroffenen Menschen sind das Kriterium", deklamierte Zeus, "nicht die Anzahl Wetterereignisse."

Seine Anhänger in der Götterversammlung klatschten. Die andern schauten sich verdutzt an. Schliesslich war bekannt, dass es dem mächtigen Wettergott nur darum ging, ungehindert mit Blitz und Donner um sich zu werfen. Doch, was er soeben gesagt hatte, klang vernünftig, oder? Immerhin schien er bereit, gewisse Schranken zu akzeptieren.

Schliesslich meldete sich Athena zu Wort. Die Weisheit fragt immer nach. "Was meinst Du genau damit?" "Ist doch klar. Wir beschränken die Anzahl durch Unwetter schwer belästigter Personen. Hermes hat da auch schon einen Richtwert ausgerechnet."

Hermes, Gott des Handels, des Marktes und der Diebe war ein begnadeter Redner. Noch bevor die andern realisierten, dass er das schwersten Unwetter aller Zeiten als Zielgrösse eingesetzt hatte, jonglierte er geschickt mit Formeln und Graphiken und kam zum Schluss: "Es sollten nicht mehr als fünfzigtausend Menschen durch die Wetterereignisse schwer betroffen sein." Natürlich hatte er es nicht versäumt, an die Abhängigkeit des Landes von ausreichenden Regenfällen zu erinnern.

Die Zahl liess die Götter dann doch aufhorchen. Fünfzigtausend? So viele, wie in ganz Knossos lebten? Es hagelte Fragen. In welchem Ausmass diese Menschen Zeus' Launen ausgesetzt wären, ab wann jemand als schwer betroffen gelte und was geschehe, wenn die Zahl überschritten werde, wollten sie wissen.

Zeus wand sich, erwähnte "raumplanerische Massnahmen". Er werde dafür sorgen, dass die Leute in den Unwettergebieten sturmsichere Häuser bauten oder in andere Gebiete umzögen. Und schliesslich hätte er Eiszeiten und Meteoritenregen aus dem Umlauf gezogen, dafür müsste er schon etwas häufiger mit Stürmen aufwarten dürfen!

Erdgöttin Demeter, wie immer in Sorge um die ländliche Bevölkerung, erkundigte sich, wo Zeus denn zu toben gedenke. Das sei nicht Gegenstand des anstehenden Beschlusses, wurde ihr beschieden, aber natürlich gebe es in Athen und Sparta mehr fromme Griechen, zahlreichere Tempel und reichere Opfergaben als bei den arkadischen Hirten.

Wenn man den Göttern eins nicht nachsagen kann, dann übertriebenes Harmoniebdürfnis. Sie streiten noch heute. Und keiner weiss genau, ob und wann es zur ganz grossen Klimakatastrophe kommt.Zum Glück sind wir Menschen vernünftiger. Das zeigt sich schon an Rita Fuhrers Statement bei der Präsentation des neuen Zürcher Fluglärm-Index (ZFI): "Für den Regierungsrat sind bei der Fluglärmbekämpfung die betroffenen Menschen das wichtigste Kriterium, nicht die Flugbewegungen".

Claudia Forni, 13. September 2006

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