Wurst und Wahrheit.

Information ist wichtig. In Fragen, welche die Öffentlichkeit so stark bewegen, wie die Zukunft unseres Flughafens, müssen alle Informationen auf den Tisch. Nur so kann Vertrauen entstehen und ein konstruktiver Dialog zustande kommen. Die Medien spielen dabei eine zentrale Rolle. Man denke nur, wie schwer es wäre, zu vernüftigen Entscheidungen und eigenen Überzeugungen zu gelangen, wenn wir uns alle Informationen selbst an der Quelle beschaffen müssten. Nur dank der Medien erfahren wir die wesentlichen Fakten. Auch Meinungen und Stimmungsbilder gehören dazu, denn ich will wissen, was die andern bewegt.

Solche Nachrichten haben manchmal einen gewissen Unterhaltungswert. Das ist heikel: Es kann Medienschaffende zur Effekthascherei verführen. Und oft spielen die Beteiligten gerne mit, denn wer Furore macht, verschafft sich Gehör. Wer die Fluglärmdiskussion in den letzten Wochen und Monaten verfolgt hat, hat ganz bestimmt die Worte und Handlungen jener vernommen, die ihre Interessen ohne Respekt vor den Mitmenschen %u2013 und manchamal am Rande der Legalität %u2013 lautstark verteidigen. Die leiseren Töne der Vernünftigen und Verständigen (auf allen Seiten) gehen dabei leicht unter. Das schafft Erwartungen. Ein Skandal muss her, eine Bombe, sonst ist ein Artikel nichts wert. Was passiert, wenn so eine Bombe herbeigezaubert wird, musste ZUF letzte Woche erleben.

Der Besitzer der Wurstbude, der am Fackelzug im April für die Verpflegung gesorgt hatte, beklagte sich bei einem Journalisten über eine noch offene Rechnung. ZUF selbst erfuhr davon erst durch den Anruf des Journalisten: Eine Rechnung oder Mahnung war bei ZUF nie eingegangen. Das verwunderte auch nicht, hatte sich ZUF doch lediglich um die Bekanntmachung des Anlasses im Norden gekümmert und Helfende vor Ort gestellt. So verwies der befragte ZUF-Vertreter an die Schwesterorganisation im Osten, die als Organisatorin des Anlasses eher zuständig sei: ZUF hätte jedenfalls keine Rechnung erhalten.

Das war natürlich keine Nachricht. Also wurde die Aussage so uminterpretiert, dass der einfache Kleinunternehmer nur deshalb nicht zu seinem Geld komme, weil die zwei Vereine sich nicht untereinander einigen könnten. Nun war der Skandal würdiger Stoff für den Leitartikel einer Regionalzeitung. Und die Chance, gleich zwei Organisationen von Fluglärmbetroffenen auf einmal mit Lehm zu bewerfen, liessen sich auch andere nicht nehmen: die Meldung wurde ohne Nachfrage in Presse und Radio weiter verbreitet.

Zurück bleibt ein enormer Image-Schaden für eine Organisation, deren einziger Fehler in einem ungenügenden Misstrauen gegenüber den überraschenden Fragen eines Journalisten besteht. War dieser Schaden gewollt oder wurde er einfach in Kauf genommen? Wir wissen es nicht. Und wir werden auch in Zukunft nicht davon ausgehen, dass alles, was wir sagen, zu unseren ungunsten verdreht wird. Denn es gibt eine Menge verantwortungsbewusster Medienschaffender. Auf sie sind wir alle angewiesen.

12. November 2003, von Claudia Forni

Screendesign/Html/Css by Cyrill Schneider, Webcreative