Wie viel und vor allem, wofür?

Im Haus herrscht Chaos. Schulsachen, Zeitungen, Schuhe überall verstreut. Der Staubsauger hätte mindestens einmal pro Tag zu tun. Die Wäsche türmt sich und im Garten wächst das Unkraut, schneller als man schauen kann. Die zwei pubertierenden Söhne, die sich auch in diesem Haus tummeln, versuchen die Welt für sich zu erobern, indem sie sie ständig neu erfinden. So ganz nebenbei betreibe ich mit einer Partnerin noch ein kleines Geschäft. Manchmal verspürt Frau dann noch das Verlangen, die kulturellen und sozialen Bedürfnisse zu befriedigen, und will Kinos und Konzerte besuchen, mit Freundinnen ausgehen oder Neues lernen. Nicht zu vergessen die Partnerschaft, die auch gepflegt sein will. Sie ahnen vielleicht, worauf ich hinaus will: Zeit! Energie und Zeit sind Ressourcen, die endlich sind. So ist es auch nichts als natürlich, dass alles was nicht dringend scheint, weg geschoben wird.

Als ich letzthin mit Besuch aus dem Aargau gemütlich auf der Terrasse sass, machte mich dieser auf den, abends einsetzenden, Fluglärm aufmerksam. Er empfand ihn sehr störend und ich fand mich in der ungewohnten Rolle wieder, diesen als zumutbar zu verteidigen. Später versuchte ich, meinen Standpunkt zu ergründen, aber es gelang mir nicht, meine Haltung ganz auf die Tatsache abzuschieben, dass es tatsächlich erträglich ist. Ich musste mir eingestehen, dass ich mir dies auch einrede, um mein bescheidenes Engagement für einen massvollen Flughafen vor mir selbst zu verteidigen. Falls die Nordausrichtung real wird und die Flugzeuge direkt übers Haus donnern, wird dies nicht mehr möglich sein.

Die Balance von Arbeit und Musse zu finden und zu entscheiden wie viel Zeit ich persönlichen und gemeinschaftlichen Themen widmen will/soll/kann, ist eine Herausforderung. Dass auch der ZUF Vorstand in diesem Zwiespalt steckt, konnte an der GV vernommen werden. Vielleicht sollten wir alle wieder mal überlegen, ob die Verteilung unserer Energien noch stimmt. Und ob eigentlich wichtige Themen sich nur als nicht so dringend ausgeben und viel mehr Aufmerksamkeit verdienten?

Übrigens, bei Umverteilung frei gewordene Zeit, darf gerne ZUF gewidmet werden, zum Beispiel durch Mitarbeit im Vorstand.

8. Juni 2005, von Angelika Müller

Screendesign/Html/Css by Cyrill Schneider, Webcreative