Die neue Unlust

Ich weiss nicht, wie es ihnen geht, aber ich lese die Artikel zu unserem Flughafen/-lärm mit zunehmendem Widerwillen. Eine umfassende, allerdings nicht repräsentative Umfrage in meinem Bekanntenkreis ergab ein erschreckend ähnliches Bild. Dabei war es seit mindestens einem Vierteljahrhundert überfällig, dass die Medien das Thema breit aufgreifen, und sie tun es doch erst seit einigen Monaten.

Woran liegt diese neue Unlust?
«Kommt sowieso nie mehr...», «Hat eh keine Chance...» oder «Kann keiner zahlen...» sind typische Kommentare zum propagierten intergalaktischen Hub oder zu unserer Nationalen Fluggesellschaft. Liegt der Widerwille also darin begründet, dass man den Eindruck bekommen könnte, hier werde auf einen Wehrlosen oder gar Toten eingeprügelt? Oder aber es ist jene altbekannten Verschleierungs- und Zermürbungstaktik von Unique und Politique, mit immer neuem Zahlenmaterial und «Lösungs-Varianten» aufzutrumpfen. Eine Taktik, deren letzter Zug, wie man mutmassen könnte, nun die Mediation darstellt?

Nein! Es sind wohl eher die politischen und moralischen Abgründe, die in offiziellen Stellungnahmen und Kommentaren, aber auch in privaten Leserbriefen offenbar werden. Man kann sich ja noch durchaus wundern, über die Relativität der Wahrnehmung.

Während man aus den An- und Abflugschneisen, wo Gespräche zeitweise nur mit Mundlesen zu bewältigen sind, durchwegs moderate Voten liest, schallen aus «Sei mal still -hörst du jetzt den Flieger?»-Gegenden Proteste und Forderungen, die in ihrer Lautstärke gar deren Ursache zu übertönen trachten.

Noch höhere Anforderungen an das Verständnis stellen indessen die Forderungen der südlichen Regionen, die sich frei nach dem Motto: «Uns die Vorteile - den anderen die Emissionen!» manifestieren. Soviel offen demonstrierte emotionale Intelligenz scheinen die Interessenvereine der übrigen Himmelsrichtungen, die sich einer «gerechten Fluglärmverteilung» verschrieben haben, nur mit hängendem Kiefer bestaunen zu können.

Da Kritik zu üben bekanntlich einfach ist, hier zum Abschluss noch mein positiver Beitrag: Mit meinem Nachbarn werde ich einen neuen und zukunftsgerichteten Interessenverein gründen. Basierend auf einer klaren Vision propagieren wir eine nachhaltige und konsensfähige Lösung für «eunseren Flughafen». Den Namen haben wir auch schon: «Pro Regionalflughafen Zürich-Kloten». Wir suchen noch motivierte Mitglieder!

25. Februar 2004, von Thomas Müller

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