Das Trauerspiel geht weiter
Seit dem Wahlwochenende wissen wir es: Ruedi Jeker bleibt uns als Hauptdarsteller im Trauerspiel Flughafen erhalten. Er wird weiterhin die Geschicke des Flughafens massgeblich beeinflussen, seine Kontakte zu den wachstumsfreundlichen Kreisen pflegen und Prioritäten so setzen, dass sie die einflussreichen Leuten an der Goldküste, die ihn am 6. April ja schliesslich wieder gewählt haben, nicht allzu sehr ärgern. Er wird weiterhin so tun, als seien ihm die Sorgen der fluglärmgeplagten Bevölkerung wichtig und dann vor allem die Anliegen der Swiss und der Unique unterstützen. Ich gebe zu, dass ich enttäuscht bin. Denn ich hätte mir von einem Wechsel in der Volkswirtschaftsdirektion neuen Wind in der Flughafenpolitik erhofft, mit weniger leeren Versprechungen und Zickzackkursen, dafür mit mehr Transparenz, Glaubwürdigkeit und Gradlinigkeit, und vor allem mit mehr Verständnis für die Anliegen der seit jeher lärm- und emissionsgeplagten Flughafenbevölkerung.
Wie dem auch sei: Der Souverän hat entschieden, und das haben wir zu akzeptieren. Es bleibt die leise Hoffnung, dass Herr Jeker von seinem schlechten Wahlresultat etwas gelernt hat und in Zukunft vermehrt auch Regierungsrat der Lärm betroffenen Bevölkerung rund um den Flughafen sein will. Der Entscheid der Kantonsregierung vom 22. Mai 03, endlich auch Anflüge über die Goldküste zuzulassen und so die Lärmbelastung zu verteilen, könnte ein erster Schritt in diese Richtung sein. Wenn da nicht der Schönheitsfehler wäre, dass nicht etwa der bis jetzt verschonte Teil des Südens, nämlich die Goldküste, sondern der bereits stark belastete Teil, nämlich Pfannenstiel, Glatttal und Zürich Nord, noch mehr Lärm ertragen muss. Und wenn da nicht die Befürchtung wäre, dass hinter den Südanflügen und dem Versprechen auf ein ILS eine langfristige Kapazitätssteigerung stecken würde, nämlich durch Dual-landing mit Süd- und Ostanflügen und Starts nach Norden.
Für mich ist klar, dass das Trauerspiel Flughafen weitergeht. So lange, bis die schwerkranke Swiss ihre Flotte nochmals drastisch reduziert, die nicht minder kranke Unique ihre überdimensionierten Gebäulichkeiten anderweitiger Nutzung zuführt, der Regierungsrat von seiner Strategie Megahub endlich abrückt und alle drei begreifen, dass nicht der Staatsvertrag verantwortlich ist für die Misere. Uns bleibt nichts anderes übrig, als weiterhin für eine Plafonierung auf 250%u2019000 Flugbewegungen (verbindlich im Sachplan des Bundes verankert), für eine neunstündige Nachtruhe und gegen jegliche Pistenveränderungen zu kämpfen.