Tourismus in der Flugschneise?
Bei der letzten Generalversammlung der Flughafenbetreiberin Unique waren sehr viele kritische Stimmen zu hören. Zuletzt meldete sich aber noch ein Vertreter des Schweizer Tourismus und dankte dem Flughafen für die gesteigerten Passagierzahlen. Zudem wünschte er ausdrücklich, dass diese Passagierzahlen in den kommenden Jahren noch weiter steigen.
Ein verständliches Anliegen aus Sicht des Schweizer Tourismus. Und doch muss hinzugefügt werden, dass der Wunsch nach mehr Passagieren und damit auch mehr Flügen stillschweigend auf der Annahme basiert, dass die An- und Abflüge nicht über die Gebiete gehen, in denen sich die Touristen dann aufhalten. Sonst hätte sich der Vertreter des Schweizer Tourismus ganz sicherlich und genauso entschieden gegen mehr Flügen gewandt, weil diese eben die Touristen vertreiben. In den ebenfalls stark tourismusabhängigen Gebieten Süddeutschlands kann man ein Lied davon singen - ein Klagelied, das inzwischen zum Protestgeheul angeschwollen ist.
Denn so ist es doch immer gewesen mit dem Zürcher Flughafen: Wer nur die Vorteile des Fliegens kennt, ist für unbegrenztes Wachstum und betont die grosse wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens für den Standort Zürich und für die ganze Schweiz. Diese Bedeutung des Flughafens ist unbestritten, sie verleiht ihm seine Existenzberechtigung.
Wer aber die Nachteile des Flugverkehrs kennt und eventuell auch selbst zu ertragen hat, hält ein unbegrenztes Wachstum nicht mehr für sinnvoll, sondern setzt sich dafür ein, dass der Flughafen sowohl der wirtschaftlichen Bedeutung als auch den Anliegen der Anwohner gerecht wird. Es ist daher sehr erfreulich, dass anlässlich der Generalversammlung des Flughafens eine gemeinsame Demonstration der Bürgerinitiativen rund um den Flughafen stattgefunden hat, bei der eine sinnvolle Plafonierung der Flugbewegungen und eine angemessene Nachtruhe gefordert wurden.