Stellungnahme der ZUF zum Projekt «Relief»

Die von den Regierungsrätinnen Fuhrer und Fierz vorgestellte Strategie ‚Relief’ zur langfristigen Planung der Flughafenregion, die der Geamtregierungsrat nun grossenteils gutgeheissen hat, wird von ZUF in keiner Weise mitgetragen.

Die Diskriminierung eines Teiles der Anwohner und die Begünstigung anderer widerstrebt unserem politischen Verständnis und dem sozialen Zusammenhalt in der Region Zürich. Dass die Landungen fast auschliesslich auf den Norden und Osten sowie langfristig gar nur auf den Norden abgewälzt werden sollen, bewirkt im Übrigen nur eine vermeintliche Entlastung für den dicht bevölkerten näheren Süden. Es hilft vor allem den weit vom Geschütz entfernten Bewohner der Südschneise, namentlich des spärlich besiedelten Pfannenstiels.

Die mit Landungen verbundenen Starts werden nur am Rande erwähnt. Neben den bereits stark angestiegenen Nordstarts und den bestehenden Weststarts bedingt das Nordkonzept von ‚Relief’ vermehrte Abflüge nach Süden, inklusive Schwamendingen. So gesehen, ergeben sich nicht wirklich Entlastungen für eine grosse Zahl der Zürcher Bevölkerung.

Eine Änderung der Pisten ist nicht nötig, da mit dem aktuellen System die internationale Vernetzung der Schweiz mit dem Globus vollumfänglich sichergestellt werden kann. Ebensowenig glauben wir, dass Pistenveränderungen in Zukunft NICHT kapazitätssteigernd benützt würden. Eine Versicherung durch die Regierung, dass man einer möglichen Kapazitätssteigerung mit entsprechenden Massnahmen begegnen würde, kann uns in keiner Weise überzeugen. Unsere Erfahrung lehrte uns, exakt solch ungenauen und nicht quantifizierbaren Formulierungen kein Vertrauen zu schenken.

Langfristige Planungsmöglichkeiten für eine Parallelpiste Nord-Süd entbehren jeglicher Vernunft. Trotzdem der Regierungsrat einräumt, dass die in der eidgenössischen Verfassung verankerte Schutzklausel des Flachmoores bei Winkel noch zu überwinden wäre, heisst dies im Klartext, dass eine massive Kapazitätssteigerung auf 500'000 Bewegungen und mehr (270'000 im Jahr 2004!) in Zukunft möglich sein soll. Eine solche Nord-Süd ausgerichtete Parallelpiste müsste für eine Steigerung beidseitig betrieben werden – nebst dem Norden würde spätestens dann auch der gesamte Süden inklusive Oberland dem Moloch Mobilität zum Opfer fallen.

Der Einsatz des im Bericht erwähnten raumplanerischen Instrumentariums für eine freiwillige Wohnflächenverlagerung bedeutet nichts anderes als eine Verschärfung der Wohn- und Bauvorschriften. Dies würde zu einer natürlichen und für den Kanton kostenlosen Ausdünnung der Bevölkerung führen. Wir Bewohnerinnen und Bewohner aber wollen unsere historisch gewachsenen sozialen Netze und die Zuneigung und Vertrautheit zu unserem Grund und Boden beibehalten.

Das unverbindliche Wort Regionalpark soll uns einen Ersatz für ein historisch gewachsenes Flachmoor vorgaukeln. Die Kosten für einen Regionalpark als Erholungsort für die lärmgeplagte Stadt- und Agglomerationsbevölkerung können gespart werden, wenn wir jetzt für eine vernünftige und der Bevölkerung angepasste Flughafenpolitik stimmen. Wir brauchen einen Flughafen, der für die Menschen da ist, nicht Menschen, die für den Flughafen Platz machen.

Darum gewinnt die "Initiative für eine realistische Flughafenpolitik" mit einer Plafonierung der Flugbewegungen, einer verlängerten Nachtruhe und der Beihaltung der heutigen Pistensysteme immer mehr an Bedeutung. Die innert drei Monaten gesammelten über 20'000 Unterschriften rund um den Flughafen Zürich (!) sind der letzte Schlüssel zur Vernunft in den Händen von uns Bewohnerinnen und Bewohnern. Wir sollten ihn packen und die Tür öffnen für eine vernünftige und massvolle Flughafenanlage.

Für den ZUF-Vorstand, Adrian Birrer, 19. Januar 2005

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