Sigismund

«Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist? Was kann der Sigismund dafür, dass man ihn liebt?»

Ich mag sie, diese uralten Schlager; sie sind so herzerfrischend frech. In Wirklichkeit wäre mir Sigismund aber alles andere als sympathisch. Ein Gockel und Schürzenjäger %u2013 und zu feige, für seine Taten gerade zu stehen. Die Natur ist schuld, die ihn so schön gemacht hat, die Damen, die ihn gerne sehen: er doch nicht!

Was kann der Flughafen dafür, dass er so laut ist? Es liegt nun mal in seiner Natur, er ist ja schliesslich kein Bio-Bauernhof. Was kann der Flughafen dafür, dass jeder fliegt? Klar, niemand wird dazu gezwungen; höchstens verführt, wie Sigismunds Damen. Und, unter uns gesagt, diese Damen sind, weiss Gott, auch keine Unschuldsengel. Man sollte ihnen ruhig mal ins Gewissen reden. Die grenzenlose Hingabe an das Vergnügen (beim Lieben und beim Fliegen) kann andere verletzen und schadet der Gesundheit.

Aber muss denn Sigismund unbedingt jede Nachfrage befriedigen? Muss er heute schon den Ausbau seines Schlafzimmers planen nur für den Fall, dass er morgen noch attraktiver ist? Er könnte ja eine gewisse Zurückhaltung üben. Er müsste nicht leben wie ein Mönch, nur nach einem geordneten Liebesleben statt nach ewigen Eroberungen streben. Verantwortliches Handeln ist nicht besonders sexy. Wer im harten Kampf gegen die Kokurrenz Terrain gewinnt steht glanzvoller da. Im wirtschaftlichen Denken werden zudem oft Kraft und Macht mit Leibesfülle gleichgesetzt. Da heisst es wachsen, wachsen, wachsen ... egal in welche Richtung. «Nur kein Neid! Wer hat, der hat!»

Für die Folgen sollen andere geradestehen, am besten eine anonyme Gruppe oder ein Schwacher, den alle schonen. Schwach ist die Swiss %u2013 ihre Vorgängerin ist der Schwäche gar erlegen. Sie, die gerade ihre Schwäche vor jedem Angriff schützt, werden verantwortlich gemacht für die falschen Zahlen bei der letzten Abstimmung, für den angekündigten Sackbahnhof-Betrieb von und nach Norden und auch für die künftige Entwicklung der Flugbewegungen. Unique konnte nichts voraussehen, musste damals auf Entscheidungen der Swissair reagiern und hat auch in Zukunft nicht den geringsten Einfluss auf die Zahl der An- und Abflüge. Verantwortlich? Wir doch nicht!

4. Februar 2004, von Markus Koller

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