Mehr Respekt und Verantwortung!
In den letzten Wochen haben Schlagzeilen nahtlos die momentane Situation rund um die Luftfahrt und Flugplatz Szene mehr als deutlich vor Augen geführt: Inkraftsetzung der Beschränkungen für die Flüge über Südwestdeutschland, Kahlschlag bei der Swiss mit Streichung von 3000 Stellen und Reduzierung der Flotte und des Netzwerkes um je ein Drittel, als Folge davon Verlust von 2500 Stellen beim mit Finanzen kämpfenden Flughafen Kloten und bei den Zulieferern, Zürcher Regierungsrat und BAZL bewilligen Südanflüge, Bundesrat billigt der Swiss verbesserte Rahmenbedingungen zu, Deutschland verschiebt Schärferes Anflugregime vom Sommer in den Herbst, Unique verkauft Parkhäuser, Skyguide-Anwalt verkündet in Stuttgart die Schaffung eines Schadenersatzsfonds für die Hinterbliebenen der Opfer des Flugzeug-Absturzes bei Überlingen.
Die Schlagzeilen bringen Eines gemeinsam an den Tag: Die inneren Werte, wie sie die Väter der Eidgenossenschaft prägten und unserem Land auf der ganzen Welt hohes Ansehen brachten, werden in gewissen Chefetagen von Konzernen, aber auch von gewissen Politikern im Kaspar-Escher-Haus und unter der Bundeshauskuppel ignoriert. An Stelle von Demokratie, Respekt und Verantwortung, von den KMU's hierzulande auch im verschärften Wirtschaftswind mit bewundernswertem Engagement gepflegt, sind in den Polsterbüros Ignoranz, Eigennutz und Machtgehabe getreten. So wie das letzte Swissair Management mit seinem Grössenwahn die einst weltweit angesehene Fluglinie in den Grounding getrieben und dem Image der Schweiz gewaltigen Schaden zugefügt hatte, richtete die Führung der neuen Swiss - allen ausgewiesenen Wirtschafts-, Airline- und Tourismus-Experten zum Trotz - erneut mit der ganz grossen Kelle an.
Bereits wenige Monate nach dem offiziellen Start am 31.März 2002 mussten die Swiss-Gewaltigen Abstriche machen, die Flotte reduzieren und Stellen streichen. Nach dem weiteren Sinkflut in Raten ist jetzt eine Radikalkur angesagt. Die Leidtragenden sind aber nicht jene, welche die Suppe in ihrer Verantwortungslosigkeit angerichtet haben, sondern die Mitarbeitenden, die an der Front mit ihrem Einsatz das Image der Schweizer Luftfahrt aufzupolieren versuchten und jetzt dafür eine schallende Ohrfeige erhalten.
Mit der gleichen Überheblichkeit, wie die 1984 getroffene Überflugvereinbarung mit Deutschland ignoriert wurde, haben Fluggesellschaft, Flughafen-Betreiberin, Skyguide und Zürcher Regierungsrat den Staatsvertrag abgelehnt und selbst erfahrene Parlamentarier auf das Flugzeug aufspringen lassen. Sie hatten wohl damit gerechnet, dass Berlin ebenso larsch reagieren würde wie die Kohlsche Regierung in den 80er und 90er Jahren und waren daher vom Bumerang völlig überrascht. Natürlich findet man die Schuldigen weder in Kloten und Zürich noch in Basel. Es sind wieder die bösen Deutschen, die den Sandkastenspielern von Unique, Swiss, Skyguide und Regierungsrat den Nuggi weggenommen haben. Keinem Bauern käme es in den Sinn eine sehr gute Milchkuh zu verkaufen. Die Unique tut das. Sie verkauft ihre Parkhäuser und least sie gleich wieder, um so kurzfristig zu Geld zu kommen. Da waren offenbar ganz gescheite Manager am Werk sozusagen Vorzeigemodelle der besonderen Art des Wirtschaftsstandortes Zürich.
Wenn die Nordgemeinden jetzt aber glauben, dass sich das Fluglärmproblem durch die Swiss-Schrumpfung, die Flaute im Fluggeschäft und die einseitigen Anordnungen Deutschlands von selbst zu lösen scheint, wird mit Sicherheit in Bälde eines Schlechteren belehrt. Mit den Südanflügen ist der Regierungsrat nicht nur dem nördlichen Nachbarn entgegen gekommen. Er hat damit auch die letzten noch schlafenden Hunde in der Stadt Zürich und an der Goldküste geweckt. Damit diese mit ihren Finanzmitteln und ihrem Stimmenpotentialschlussendlich das erkämpfen, was noch immer das Ziel von Unique und Regierungsrat ist: die Variante Grün mit Parallelpiste. Ein besonderes Beispiel von «Mitgefühl» zeigte Skyguide: Stunden vor dem Jahrestag des schwersten Flugzeugunglücks über deutschem Boden gab ein spitzfindiger Jurist der an der Katastrophe zumindest mitschuldigen Skyguide die Gründung eines Opferfonds bekannt.
Das unsensible Vorgehen hat allerdings einen eigennützigen Grund: Mit dem Fonds wurde verhindert, dass das Entschädigungsverfahren rechtlich eskaliert und als Folge davon der Staatsvertrag zwischen Deutschland und der Schweiz über die Flugüberwachung im süddeutschen Raum vorerst undenkbar geworden wäre. Die Skyguide würde vom hohen Ross in die Belanglosigkeit fallen!