Probleme sind relativ
Auch fünf Wochen nach der schrecklichen Flutkatastrophe in Südasien und der grossen Not der betroffenen Menschen finde ich es fast zynisch, heute über unsere Fluglärmprobleme zu schreiben. Ich mag im Moment einfach nicht über die von uns selbst verursachten Nöte rund um den Flughafen jammern. Ich schäme mich sogar ein wenig über unser Unvermögen, den Fluglärmstreit nicht endlich in den Griff zu bekommen. Angesichts der Bilder von verwüsteten Landstrichen und verzweifelten Menschen wird mir einmal mehr bewusst, wie gut wir es in unserem kleinen Land haben, und wie relativ marginal die Probleme unserer sicheren, reichen Schweiz sind. Wie froh wären die Menschen in Indonesien, Thailand, Sri Lanka und Südindien in den ersten Tagen um ein einziges Flugzeug gewesen, das ihnen eine Notration zum Ueberleben gebracht hätte. Wie glücklich wären diejenigen, die alles verloren haben, über unsere Infrastruktur, und wie dankbar wären sie, wenn ihnen nur ein Bruchteil unserer Gesundheitsversorgung zur Verfügung stehen würde.
Das Seebeben in Südasien hat zwei Sachen deutlich gemacht: Die Natur ist fähig zuzuschlagen und alles zu vernichten, was der Mensch erschaffen hat. Wir stehen diesen Naturkatastrophen ohnmächtig gegenüber. Das Seebeben hat aber auch gezeigt, dass sich Schweizerinnen und Schweizer und Menschen weltweit zusammen schliessen und bereit sind, solidarisch für Notleidende einzustehen.
Diese zwei Phänomene lassen erhoffen, dass wir Menschen aus solch grauenhaften Katastrophen auch Lehren ziehen könnten. Weil uns bewusst geworden ist, dass Leben ohne Lebensgrundlagen und gegenseitige Solidarität gar nicht möglich ist.
Wie wärs wenn wir diese Erkenntnisse wieder vermehrt in unser tägliches Leben und vielleicht sogar in die Flugverkehrsdiskussion einfliessen lassen würden? Was heissen könnte, dass wir in Zukunft der Natur noch besser Sorge tragen und z.B. weniger fliegen, damit wenigstens diejenigen Katastrophen, die wir selbst verursachen oder beeinflussen, vermieden werden könnten. Was auch heissen könnte, dass durch gegenseitige Rücksichtnahme und Solidarität der endlose Streit um die An- und Abflugrouten endlich gelöst würde. Wer weiss, vielleicht gelingt es uns 2005!