4400 zusätzliche Nordstarts
Verfolgt man die scheinbar endlosen Diskussionen und Medienberichte um die Fluglärmproblematik des Flughafens Zürich, kommt man zum Schluss: Abgesehen von sehr wenigen Ausnahmen reden alle nur von Landeanflügen. Keiner will mehr Anflüge oder vor allem keine neue Anflugwege über seinem Gebiet haben.
Vor allem die Regionen, welche noch nie Fluglärm hatten (bei der Volksabstimmung zur 5. Flughafenausbauetappe 1995 aber mit grossem mehr zustimmten) dominieren stark mit ihrer Abwehrhaltung die Medien. Diese einseitige Sichtweise der Lande-Anflüge ist aber keinesfalls repräsentativ bezüglich der zu erwartenden Fluglärmbelastung im gesamten Einzugsgebiet Flughafen Zürich.
Wieso? Bekanntlich müssen landende Flugzeuge auch wieder starten. Der Schallpegel eines startenden Jets ist um ein Vielfaches höher als derjenige eines Landenden. Aussagekräftige Diskussionen und Berichte um die Fluglärmproblematik können nur solche sein, welche auch die Starts und alle Regionen miteinbeziehen, ansonsten entspricht dies nur der halben Wahrheit.
Wussten Sie, dass seit Januar bis und mit September 2003 etwa 4400 zusätzliche Nordstarts als Folge der neuen Anflugverfahren (Ostanflug auf Piste 28) durchgeführt wurden? Dies entspricht in etwa 16 zusätzlichen Nordstarts pro Tag, welche im Norden des Flughafens aber auch an den östlich am Flughafen angrenzenden Gebieten (da meist von Landepiste 32 aus gestartet wurde) starken Mehrlärm verursachen. Mit dem neuen Südanflug dürfte sich die Anzahl Nordstarts noch weiter erhöhen.
Diese Tatsache scheint mit der Diskussion um die Südanflüge völlig unterzugehen oder wird sie bewusst ausgelassen?
Damit im gesamten Einzugsgebiet Zürich-Flughafen (und nicht nur im Süden) die Lebensqualität der Bevölkerung erhalten bleibt , ist es unumgänglich, dass das immer noch vom Flughafen und unserer Regierung vorhandene (Mega-) Hub-Konzept endlich aufgegeben wird und stattdessen ein den wirklichen Bedürfnissen unserer Bevölkerung und der Wirtschaft angepasster Flughafen entsteht.