Wörterbuch für Flughafenanwohner

Es gibt sie noch! Leute, die in die Flughafenregion ziehen, obwohl jedem vernünftigen Menschen spätestens seit der Römerzeit klar sein muss, dass hier mit Fluglärm zu rechnen ist. Nun kennen aber genau diese Neuzuzüger das hier nötige Vokabular, aber vor allem auch die genaue Bedeutung der Wörter nicht.

Wer weiss schon, dass ein Airbus 340 der Swiss wohl vollmundig als modern und leise gepriesen wird, in Wirklichkeit aber untermotorisiert ist und so schlecht steigt, dass er fast auf Kopfhöhe auch um 23 Uhr noch kräftig beschallt. Oder dass ein Schneiser nicht ein Einwohner von Schneisingen (AG) ist, sondern im Süden des Flughafens wohnt und unter Milliardenverlusten an seiner Immobilie zu leiden hat. (Der Wortstamm steht hier in der Mitte und wird stark betont: also Schneiser, von «Nei zum Südanflug!»).

Felder heisst nicht nur der Unique-Boss, sondern der Ausdruck bezeichnet auch alle möglichen Flächen, die sich für einen grossartigen Pistenausbau eignen. Und Swiss ist englisch, hat auch etwas mit der Schweiz zu tun und steht für den krampfhaften Versuch, die Passagierauslastung um jeden Preis zu jedem Preis zu steigern und dann gezielt zu publizieren, irgendwie zu sparen und eine Sonderbehandlung zu verlangen ... und trotzdem Verluste einzufahren - oder besser einzufliegen!

Neu werden in Zukunft wohl noch einige Verben zum Flughafenwortschatz dazukommen. Unter fuhrern wird man wahrscheinlich bald schönreden, beschwichtigen und vordergründig 'Verständnis zeigen' verstehen; es bedeutet aber auch Menschen in beschallungswürdig und nicht beschallungswürdig einteilen. Was fierzen
heisst, können sich langjährige Anwohner sicher gut vorstellen. Wehren wir uns doch gegen diese neue Sprache, denn sonst haben wir bald ausgejekert!
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8. Dezember 2004, von Markus Bleiker

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