Für Sie, Herr Meier!

Dass Sie keine Freude hätten an unserer Kolumne, haben Sie gesagt. Nichts als Motzen und Schwindeln und alles gegen den Flughafen! Und wir sollten lieber einmal etwas Lockeres bringen. Fürs Fliegen werben! Einen Flug beschreiben, ein bitzli benoten und so. Wie eine andere Zeitung das auch machen täte.

Gut, habe ich gedacht. Wird gemacht. Für Sie, Herr Meier! Mein letzter Flug: Zwei Töchter, neun und elfjährig, noch nie geflogen! Zeit, sie in die Welt des Fliegens einzuweihen! Wir planen heimlich einen Städteflug, reden aber von Wanderferien. Knurrend packen die beiden ihre Bergschuhe ein. Zufällig fahren wir auf der Hinreise an einem Flughafen vorbei. Zufällig weiss ich, dass eine Flughafenbesichtigung stattfindet. Gepäck? Mitnehmen. Zufällig weiss ich, dass im Parkhaus geklaut wird...

Wir besorgen Tickets für den «Rundfahrtenbus» des Flughafens. «Manchmal, wenn man Glück hat» sage ich, «darf man bei Besichtigungen ein Flugzeug von innen angucken.» Kulleraugen machen die zwei, wie sie wirklich in ein Flugzeug steigen, Platz nehmen und sich sogar anschnallen dürfen! «Selten, ganz selten», füge ich bei, «gibts bei Besichtigungen auch Rundflüge um den Flughafen.»

Wir haben Glück! Das Flugzeug beginnt zu rollen, dann abzuheben. Die Töchter bringen den Mund nicht mehr zu. «Ich fliege, ich fliege richtig! Ich freu mich so!» schreit eine durchs Flugzeug. Dann, nach dreissig Minuten, bewundernd: «Das ist aber ein grosszügiger Rundflug!» Und mit missbilligendem Blick auf zeitungslesende Männer: »Wieso machen die einen Rundflug, wenn sie dann lesen und alles verpassen?» Jede Frage beantworte ich schwindelnd, im Brustton der Überzeugung. Es wirkt! Nicht dass die Töchter kritiklose Wesen wären. Aber heute glauben sie alles. Sogar die astronomisch nicht abgesicherte Antwort auf die Frage, wieso die Sonne bei einem Rundflug immer auf der gleichen Seite sei. Erst beim Landen steigen Zweifel auf. Dass die Tafel «London» nur für Werbezwecke angebracht sei, nehmen sie mir nicht mehr ab.

Und sonst? Start pünktlich. Essen gut. Crew freundlich. Den Namen der Airline habe ich vergessen, aber ich kann sie empfehlen. Der Flug fand 1994 statt und wurde von der Autorin selber bezahlt. Leider blieb der Werbeeffekt für die Aviatikbranche aus. Alle drei sind wir seither nicht wieder geflogen.

Das wars, Herr Meier. A propos Schwindeln: Dass viele Leute das Wort Flughafen mit Salamitaktik oder Belogenwerden verbinden, hat mit dem Verhalten und Kommunikationsstil von Unique zu tun. Nur bei zwei heute erwachsenen jungen Frauen nehme ich es auf meine Kappe. .

17. März 2004, von Regula Knellessen

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