Markt und Mässigung
Glück gehabt! Laut einer Umfrage, hat dieses Jahr niemand unter den Präsidentinnen und Präsidenten der Bürgerorganisationen die Ferien per Flugzeug angetreten. Nicht zu denken, was für hämische Kommentare wir sonst zu hören bekommen hätten: «Da sieht man es wieder! Den Lärm wollen sie nicht, aber selber fliegen sie genauso hemmungslos». Und das wäre in einem anderen Jahr durchaus möglich gewesen.
Ein Zufallsresultat also? Ja - denn niemand von uns postuliert die absolute Flug-Enthaltsamkeit. Nein - denn wer sich intensiv mit den Auswirkungen des Flugbe-triebs auf die Umwelt und die Wohnqualität auseinander setzt, wird auch den eigenen Beitrag zu dieser Belastung eher begrenzen wollen.
Auch Sie müssen den Segnungen des Flughafens nicht völlig abschwören. Auch dann nicht, wenn Sie sich für eine vernünftige Beschränkung des Flugverkehrs einsetzen. Das Verkehrsmittel Flugzeug wird Ihnen weiterhin zur Verfügung stehen. Vermutlich werden Sie sich allerdings beim nächsten Flug zuerst fragen, ob er sich wirklich lohnt: nicht nur finanziell, sondern auch angesichts der Kosten in Form von Lärm und Abgasen. Und Sie werden sich hie und da für eine andere Lösung entscheiden.
Nicht Heiligkeit oder Askese sind in solchen Fragen von Nöten. Es geht vielmehr um so altmodische Tugenden wie Mässigung und Bescheidenheit. Tugenden, mit denen die Flughafenbetreiberin Unique offenbar nichts anfangen kann. Wie käme sie sonst dazu, in ihrer Stellungnahme zur regierungsrätlichen Studie über die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens, allen Ernstes eine Wachstumsrate zu postulieren, bei der die Flugbewegungen bis zum Jahr 2020 auf 580'000 ansteigen müssten?
Mehr als doppelt so viele Flüge wie jetzt, das verträgt unsere Region nicht. Daran ändert auch die ewig wiederholte Feststellung nichts, dass mehr Flugbewegungen mehr neue Arbeitsplätze brächten. Eine Wirtschaft, die sich so viel Luxus leisten kann, ist auch im Stande, genügend Stellen in anderen Bereichen zu bieten. Und einem Betrieb, der nicht in der Lage ist, die eigene Wachstumsgier zu beschränken, müssen wir rechtzeitig Schranken setzen.