Irgendwann kippt es,

Wir schreiben das Jahr 2030. Der Flughafen Zürich existiert noch. Die Streitereien um die Fluglärmverteilung sind beigelegt. Auch unsere deutschen Nachbarn sind zufrieden mit dem neuen Betriebsreglement, denn sie gehören zu den Nutzniessern.

Ein Kreis von 80 km Radius rund um den Flughafen wurde zur %u201CFlughafenzone³ erklärt, ein Gebiet, in welchem mit störendem Lärm gerechnet werden muss. In Kloten wurden die Pisten 14 und 32 aufgehoben, dafür wurden vier neue gebaut, sodass das Pistensystem jetzt einer Windrose gleicht: In acht Richtungen (nach Norden, Nordosten, Osten, Südosten, usw.) kann gestartet und gelandet werden.

Entsprechend dem Pistensystem wurde die Flughafenzone in acht Sektoren aufgeteilt, sodass z. B. die Piste Süd genau auf den Sektor Süd führt. Wenn also dort gestartet und gelandet wird, erhält der Sektor Süd am meisten Lärm.

Die Flugleitung, bei welcher übrigens ein Drittel der Angestellten aus Deutschland kommt, erstellt für jeden Monat einen neuen Flugplan. Dies geschieht folgendermassen: Seit längerer Zeit müssen alle Personen beim Buchen eines Fluges ab Kloten ihren Wohnort angeben. Alle solche Buchungen ab Wohnorten innerhalb der Flughafenzone werden mit einem Personen-Lärm-Punkt (PLP) für die entsprechende Zone bedacht. Auf einem grossen Bildschirm in der Zentrale der Flugleitung blinken alle PLP in den jeweiligen Zonen und werden vom Computer laufend je Zone aufaddiert. Am letzten Tag des Monats um Mitternacht ist %u201CDead line³. Jetzt wird zur Kasse gebeten. Über die Zone oder die zwei Zonen mit den meisten PLP wird im Laufe des kommenden Monats gestartet und gelandet.

Wenn ein Monat lang so geflogen wurde, haben die überflogenen Zonen ihre PLP abgebüsst und dürfen im neuen Monat bei Null anfangen. Die PLP der anderen Sektoren sind noch nicht abgegolten und werden darum auf den neuen Monat übertragen, usw. ......

Mein Gedankenspiel mag utopisch sein, aber nicht abwegig. Der Fluglärm wäre nach diesem Verfahren zwar nicht gleichmässig, aber (nach dem Verursacherprinzip) gerecht verteilt. Weil dieses Verfahren jedoch gewissen Regionen ein böses - aber hausgemachtes - Erwachen brächte, sind wir bereit, die Windrosenidee zu vergessen und eine Zeile zurückzubuchstabieren. Dann sind wir aber immer noch dort, wo es das gemeinsame Anliegen aller FlughafenanwohnerInnen sein müsste, den Fluglärm wenigstens möglichst gleichmässig zu verteilen.

13. August 2003, von Christian Ulrich

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