Flughafenkiller

Jetzt weiss ich es! Und sie wissen es hiermit auch! Ich bin eine Flughafenkillerin! Bis Anfang dieses Jahres galt ich als Flughafengegnerin, was ich als Unter-schiebung schon schlimm genug fand, da ich nichts gegen den Flughafen habe, solange er nicht masslos in den Himmel wächst.

Schoggikillerin würde eigentlich besser zu mir passen. Oder Salatsaucenkillerin. So hätte man mich nennen können, als ich letzte Woche eine Flasche dieser Flüssigkeit zwecks Kühlung vors Fenster stellte - und sie sich vom dritten Stockwerk Richtung Trottoir selbständig machte. Und alles wegen einem gekillten Kühlschrank. Aber das ist eine andere Geschichte.

Killerin? Manchmal unabsichtlich und zu meinem grossen Bedauern. Wie viele Ameisen und Käfer werden wohl Opfer meiner forschen Schritte, wenn ich durch den Wald spaziere? Nicht zu sagen was passiert, wenn ich unseren Rasen mähe! Oder autofahrend Faltern und Insekten den Tod bringe, weil sie in die Windschutzscheibe meines Wagens geraten. Aber Flughafenkillerin?

Nicht vorstellbar wohin es führen würde, wenn alle Menschen, welche Kritik äussern, Killer gescholten würden. Bin ich eine Pfarrerkillerin, weil ich dem Pfarrer nach der Predigt meine kritischen Gedanken schrieb? Bin ich eine Bundesratskillerin, weil ich kundtat, dass ich mit dem Vorgehen eines Bundesrates nicht einverstanden war? Würde ich Ihnen die Namen der beiden verraten, ich könnte es beweisen: Sie sind beide noch putzmunter!

Wäre ich eine Flughafenkillerin, wären Bürgerbewegungen dann Killerkommandos? Nie undnimmer! Im Gegenteil: Sie wollen Lebensqualität erhalten und bewahren! Und Lebensqualität killt nicht zwangsläufig Arbeitsplätze, auch wenn man uns dies immer wieder einreden möchte. Wer vorrechnet, Menschen in der Flughafenregion hätten zwar Flugemissionen, aber dafür Arbeitsplätze, und man könne nicht den Fünfer und s'Weggli haben, irrt. Weil er, bzw. sie übersieht, dass andere Menschen, zum Beispiel im Süden des Kantons, durchaus beides haben. Und das Gipfeli dazu.

Und wie werde ich jetzt nach all den Killer-Worten die destruktive Energie wieder los? Vielleicht hilft es, den grossen Lehrer Buddha zu zitieren: "Alles mit Massen, einschliesslich der Mässigung". Ob er dabei hellsichtig schon an Schokolade, Wortneuschöpfungen und unseren Flughafen dachte?

16. April 2003, von Regula Knellessen

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