Kehrseiten des Fortschritts
Wir sind an jedem erdenklichen Ort per Handy erreichbar. Aber eine Natel-Sendeanlage in unserer Nachbarschaft? Nie und nimmer! Wir beziehen rund um die Uhr Strom aus unseren Steckdosen. Aber ein Zwischenlager für radioaktive Abfälle in unserer Gemeinde? Nie und nimmer! Wir fahren regelmässig übers Wochenende in die Berge. Aber eine Autobahn neben unserem Haus? Nie und nimmer! Wir fliegen gerne nach Bali oder Amerika. Aber lärmige Jets direkt über unserem Haus? Nie und nimmer!
Alle profitieren ausgiebig von den Annehmlichkeiten des technischen Fortschritts. Wenn es um die Verteilung der Nachteile geht, werden diese nur allzu gerne auf die anderen abgeschoben. Es erscheint mir arrogant und rücksichtslos, als Nutzniesser dieser Technik ein unantastbares Anrecht auf eine Umgebung ohne störende Immissionen zu fordern. Alle haben ein Grundrecht auf Ruhe und Lebensqualität, nicht nur die %u201Eguten Steuerzahler%u201C.
Natel-Sendeanlagen, Zwischenlager und Autobahnen können offensichtlich nicht gleichmässig auf die Bevölkerung verteilt werden. Im Gegensatz dazu bietet der Luftverkehr die einmalige Chance, dass die Nachteile ausgewogen verteilt und solidarisch getragen werden können. Es ist nur eine Frage des Willens von Unique und der Zürcher Regierung. Eine ausgewogene Verteilung, ohne Tabus und ohne krasse Diskriminierung der Menschen in einen oder anderen Flughafenregion, entspricht dem schweizerischen Solidaritätsdenken und bietet wesentliche Vorteile: da eine Mehrheit der Einwohnerschaft der umliegenden Gebiete einen Anteil der Immissionen tragen muss, wird jeder und jede das Verkehrsmittel Flugzeug bewusster und massvoller einsetzen. Davon profitieren die Umwelt, die Anwohnerinnen und Anwohner, und nicht zuletzt das lokale Freizeitangebot. Dort werden nachhaltigere und sicherere Arbeitsplätze geschaffen als durch die überrissenen Wachstumspläne von Swiss und Unique.
Wir wollen keinen Megahub mit Nordausrichtung, sondern einen der Bevölkerungsgrösse entsprechenden Flughafen. Wir wollen eine Verteilung der An- und Abflugrouten, sowie eine Auffächerung der Abflüge, damit wir alle mit unserem Flughafen leben können.