Hand aufs Herz

Hand aufs Herz: ist es mittlerweile nicht jedermann verleidet, das Theater für, gegen und rund um den Flughafen?

In diesem Schwarzpeterspiel nervt mich aber vor allem die sture Haltung derjenigen, die das Sein oder Nichtsein des Wirtschaftsstandorts Zürich vom Flughafen mit einer möglichst grossen Anzahl Direktverbindungen abhängig machen. Dabei wird aber klar unterlassen, die Flüge von und zum Flughafen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen: jedermann ist eingeladen, einmal die Starts an einem normalen Wochentag von der Homepage vom einzigartigen Flughafen herunterzuladen.

Entfernt man alle Charterflüge und Doppelzählungen aus der Tabelle und sortiert man die Flüge nach Destinationen und Zeit, wird sofort ersichtlich: wäre es verboten, das gleiche Ziel innerhalb von zwei Stunden zweimal anzufliegen, so ergäbe dies eine Reduzierung von 30% der Bewegungen. Würde man dieses Zeitfenster auf drei Stunden erhöhen, wären gar über die Hälfte der Bewegungen nicht mehr notwendig! Und diese drei Stunden entsprechen ungefähr den heutigen Vorschriften in grossen Betrieben: eine kostengünstigere Airline ist vorzuziehen, solange sie innerhalb von drei Stunden vor oder nach der gewünschten Abflugzeit zur Wunschdestination abhebt. Das wäre auch ökologisch sinnvoll; oder macht es Sinn, dass Swiss um 12.00, Lufthansa um 12.05 nach Frankfurt abfliegt? Und beide Flieger mit 50% Auslastung?

Würde man nur einen Flug erlauben, könnte sogar ein grösseres Flugzeug eingesetzt werden, das wiederum bedeutend mehr Frachtkapazität hat als die beiden kleineren Flugzeuge zusammen. Fazit: auch mit bedeutend weniger Bewegungen ist ein Anschluss der Schweiz an die Welt bestens gewährleistet und mit etwas Kreativität lässt sich eine solche Zeitfensterregelung auch mit markttechnischen Methoden (z.B. Pricing) umsetzen.

Ich denke, dass wir im Norden bis zur Einführung der dritten Welle einigermassen mit dem Fluglärm leben konnten. Es war keine Dauerbeschallung und man hatte zwischendurch wieder einmal Lärmpausen. Deshalb sollten wir fordern, die Anzahl Bewegungen verbindlich auf dieses Niveau zu beschränken. Aus meiner Sicht wäre das das beste Angebot, womit alle Himmelsrichtungen gut leben können. Und jede zusätzliche Flugbewegung soll dann gefälligst von den Regionen getragen werden, die diese auch so vehement fordern.

23. Juli 2003, von Stephan Ebnöter

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