Sanft gezwungen
Erinnern Sie sich an die Esel meiner Schwester im Zürcher Oberland? Trotz real gewordenem Südanfluglärm wurden ihnen die Ohren noch nicht chirurgisch verkleinert. Meine Schwester, welche nach wie vor Südanflüge akzeptiert, will zuerst noch das ausstehende Bundesgerichtsurteil abwarten. Sie musste aber inzwischen einen Kurs in Eselhalsmassage absolvieren. Ihre Tiere hätten sich nämlich angewöhnt, täglich interessiert den direkt über ihren Köpfen Richtung Süden abdrehenden Flugzeugen zuerst entgegen, dann nachzugucken und würden deshalb jetzt mit verrenkten Hälsen herumlaufen (unikes Schiefhalssyndrom).
Lieber gewissen Leuten den Hals umdrehen statt massieren würde mein Schwager aus Egg. Neuerdings zuerst dem Elmar Ledergerber, welcher die Südanfluggegner anfeure und gleichzeitig für den Hub in Kloten eintrete. Enttäuscht sucht mein Schwager jetzt eigenständig Lösungen. Auch er weiss, dass Unique immer noch ihr Lieblingskind, die Parallelpiste hätschelt bzw. säugt und öffentlich verkündet, dass man nach Streichung der Südanflüge mit Einsparen der Entschädigungsforderungen eine solche gut finanzieren könnte. Seither gehört er zu denen, welche laut über eine Zwangsumsiedlung der Menschen im Bereich der allfälligen Parallelpiste nachdenken.
Das ginge so: Zusammen mit dem Flachmoor würde auch die Bevölkerung verlegt. Sie und ich und alle im Unterland würden freudig die Koffer packen, Haus und Herd und dem Birnbaum vor dem Fenster ade sagen und, sanft gezwungen, mit Check in der Hand, ziehen wohin auch immer. Dem Projekt würde ein möglichst freundlicher Name verpasst, da Horrorvarianten so bekanntlich besser verkauft werden (z.B. Aktion zur Rettung der Gesundheit der Zürcher Unterländer).
Falls Sie jetzt schmunzeln sind Sie, Verzeihung, daneben. Mein Schwager meint es ernst. Wenn China es fertigbringe, wegen einem Staudammprojekt 1,8 Millionen Menschen umzusiedeln, dann würden doch auch die fixen Schweizer wegen einem blühenden Flughafen für 40 000 EinwohnerInnen eine neue Lösung finden. Schliesslich hätten wir dazu jetzt die rechten Männer im Bundesrat.
Vermutlich brauchen wir im Zürcher Unterland bald Hilfe vom Ausland. Grossdemos in Washington, London, Rom, Berlin. Tausende von Menschen auf der Strasse mit Forderungen wie: Boykottiert die Schweizer Flughäfen! Keine Zwangsumsiedlungen in Down town Switzerland!
Meinen Schwager habe ich übrigens nicht selber ausgesucht. Zudem war er früher netter. Vielleicht schädigt Südanfluglärm ja neben Eselhälsen auch menschliche Hirnzellen.