Flughafeninitiative: Gegner sehen zu schwarz.

Ein Komitee aus Wirtschaftsvertretern sagt, 250 000 Flugbewegungen genügten in Kloten vollauf. Moderiert hat ihre Präsentation der Bülacher FDP-Kantonsrat Jean-Luc Cornaz.

Mit Jean-Luc Cornaz* sprach Roger Keller, TA Unterland, 31.8.07

Frage: Sie bezeichnen sich als Vertreter der Wirtschaft. Wie können Sie da für eine Plafonierung mit 250 000 Bewegungen eintreten?
Cornaz: Ein Unternehmen muss man so führen, dass es profitabel ist, es muss seine Mitarbeiter und Lieferanten anständig behandeln, und es soll in seiner Region geschätzt sein. Beim Flughafen sind die ersten Kriterien sicher erfüllt: Er rentiert und ist ein wichtiger Motor für die Wirtschaft. Aber die Interessen der Anwohner rundherum werden zu wenig berücksichtigt. Der Regierungsrat engagiert sich da meiner Ansicht nach nicht genügend.

Frage: Die meisten Wirtschaftsvertreter sagen, mit 250 000 Bewegungen würde der Flughafen zu sehr eingeschränkt und seiner Entwicklungsmöglichkeiten beraubt. Wollen Sie das als Vertreter der FDP, die Wachstum predigt?
Cornaz: Zum einen weiss ich nicht, ob die Behauptung der Gegner stimmt. Für ein qualitatives Wachstum haben wir in Kloten nämlich noch ein ziemlich grosses Potenzial. Ich bin der Meinung, dass Zürich kein Hub für Billigfluggesellschaften wie Air Berlin oder Ryanair werden sollte. Zum anderen ist die Plafonierungsinitiative ein Auftrag an die Zürcher Regierung, sich in Bern für diese 250 000 einzusetzen. Wie lange dieses Ziel realistisch ist, weiss ich auch nicht. Aber die Folgen werden von den Gegnern auf jeden Fall zu schwarz dargestellt.

Frage: Sie glauben also, es entstünde kein volkswirtschaftlicher Schaden?
Cornaz: Im Moment sind 250 000 Bewegungen sicher kein Problem für die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Kantons Zürich. Aber für mich ist diese Zahl nicht für immer und ewig in Stein gemeisselt. Sie selber sind nicht Mitglied des Komitees.

Frage: Sie haben deren Präsentation vor den Medien lediglich moderiert. Warum?
Cornaz: Das hat damit zu tun, das die FDP die Gegenkampagne zur Initiative führt. Ich habe das abgesprochen innerhalb der Partei: Die regionalen Interessen müssen auch durch die FDP weiterhin wahrgenommen werden. Dafür stehe ich ein, und ich finde es gut, dass dieses Komitee seine Argumente nun der Bevölkerung darlegt.

Frage: Sie sind im Komitee also nicht dabei, weil Sie böse Telefonanrufe von FDP-Präsidentin Doris Fiala erhalten haben?
Cornaz: (Lacht) Nein, nein.

Frage: Aber Sie vermuten, es kämen solche?
Cornaz: Nein, Sie überschätzen Frau Fiala. Die Freisinnigen sind mit ihrer Meinung freier als zum Beispiel die Mitglieder der SVP.

* Jean-Luc Cornaz (49), Winkel, ist FDPKantonsrat, promovierter Ökonom und Verwaltungsrat der Cornaz-Holding AG, welche die Vetropack-Gruppe kontrolliert.

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