Flab Flop!
Gehören Sie auch zu den Leuten, die ZUF gerne etwas militanter hätten? So ein bitzli kämpferischer? So ein bitzli mehr Nachdemos und vermummt und mit Farbbeuteln und Pflastersteinen und so? Dann werden Sie enttäuscht sein: ZUF ist gegen Gewalt und kämpft nur mit legalen Mitteln. Im Klartext: ZUF wird weder mit Kanonen auf Flugzeuge schiessen noch in einer Nacht- und Nebelaktion die Flieger in Kloten mit Vergissmeinnicht oder den Worten «Mein Flugzeug» besprayen.
Apropos Militanz: Nicht nur ist ZUF für faire Auseinandersetzungen, ZUF-Mitglieder können auch denken: Die gleichen Leute, die ihre Aggressionen gerne an ZUF und an Pflastersteine delegieren möchten, wären die ersten, die sich von uns distanzieren und Beiträge streichen würden, wenn wir militanter wären.
Allerdings muss ich zugeben: Trotz Friedfertigkeit war ich begeistert, als mein Mann letzthin einem Freund von meinem Engagement bei den «Flab-Leuten» erzählte. Flab statt ZUF!! Wow! Macht Eindruck, tönt kämpferisch und enorm respekteinflössend!
Aber dann! Sass ich Flabfrau doch letzthin - als Durchschnittsmensch getarnt - grossohrig in einer Kneipe im Zürcher Unterland. Und am Nebentisch bestanden bestandene Männer nach überstandener Sitzung darauf, ZUF sei eine «brave» Bürgerbewegung! Wäre zu verkraften gewesen. Bis einer bemerkte, die ZUF-Leute seien die Füsiliere im Kampf gegen den Fluglärm. Füsiliere! Päng! Aus-geträumt der Flabtraum! Ein einziger Flop!
Dass ich nicht ausflippte, gehörte zur Tarnung. Später habe ich mich herumgehört: Füsiliere sind die, welche, sagt Mann, als Kanonenfutter im Krieg vorausgeschickt werden. Und für diejenigen die Dreckarbeit machen, welche nachher stolz den Sieg für sich beanspruchen.
Vermutlich ein Weiser, welcher uns da ins richtige Regiment umteilte. Immerhin hat ZUF an vorderster Front die Fluglärmthematik im Unterland ins Rollen gebracht. Hat Aktionen organisiert, den Behördenvertretern im Unterland dadurch Arbeit abgenommen und ihnen an Podiumsveranstaltungen ein Podest geboten. ZUF weiss , dass, obwohl zur Zeit die schwersten Kämpfe im Süden stattfinden, sich die Hauptfrontlinie von einem Tag auf den andern wieder in den Norden verlagern kann. Und arbeitet deshalb nach wie vor intensiv, auch wenn nach Aus-sen davon nicht immer viel sicht- oder hörbar wird.
Trotzdem: Ein wenig hat mich die Umteilung doch gekränkt. Bis ein Militärfreak (ich schwörs, er hat einiges am Hut!) nach Anhörung meines Kummers milde meinte: «Die Infanterie? Das ist die Königin des Schlachtfeldes!» Und wenn ich sein Augenzwinkern richtig interpretiere, hat er ZUF damit zweifellos ein Kompliment gemacht.