Eseleien
Wer hätte das gedacht! Meine Schwester, welche im Zürcher Oberland wohnt, erklärt sich mit uns Menschen im Norden, Westen und Osten des Flughafens solidarisch: Obwohl sie von Südanflügen betroffen sein wird, findet sie eine Verteilung der Flugbewegungen in Ordnung!
Ihre Kinder, meint sie, hätten nicht empfindlichere Ohren als unsere. Und es sei wissenschaftlich nicht nachzuweisen, dass Menschen im Süden ein grösseres Bedürfnis nach ungestörtem Schlaf hätten als solche im Osten. Deshalb sei es gerecht, Ruhezeiten auf alle zu verteilen. Sie plädiert wie der Schutzverband für Zeitfenster, d.h. dass jede Region alternierend flugfreie Tage erhält.
Sorgen machen ihr nur ihre Esel. Sie möchte ihnen bei einem Schönheitschirurgen in Zürich die Ohren verkleinern lassen, damit sie im Oktober weniger vom Lärm belastet würden. Die Rechnung würde sie als Entschädigungsforderung der Unique schicken. Betreffend den frühmorgendlichen Fluglärm sieht sie auch Vorteile: Die Nachbarn würden um sechs Uhr in Zukunft nicht mehr vom Eselsgeschrei geweckt, sondern von den alles übertönenden Flugzeugen. Klagen kämen nicht mehr zu ihr, sondern gingen direkt an den Flughafen.
Mein Schwager aus Egg sieht das anders. Er hat von einem Freund gehört, dass dessen Freund jemanden kennt, dessen Freundin extra nach Hohentengen gefahren ist, um sich über den dortigen Fluglärm ein Bild zu machen. Und? Sie werden staunen: Nichts hat man gehört, gar nichts! Nicht mal ein Säuseln am Himmel, als die Flieger Richtung Schweiz gegen Boden sanken! Seither ist es für ihn klar: Den Deutschen zeigen wirs! Keine Südanflüge!
Auch wegen dem Staatsvertrag bestehen verschiedene Meinungen. Meine Schwester hätte mit ihren Eseln I.A. gesagt, während mein Schwager überzeugt ist: Viel besser als der Bundesrat hätte der neue Held des Südens, der Tausendsassa Ledergerber verhandelt! Der hätte die Probleme easy und mit links in den Griff gekriegt!
Nach gründlichem Nachdenken gebe ich meinem Schwager recht: Wenn es so ist, dass Flugzeuge, die von Norden anfliegen, nicht mal säuseln, beim Südanflug aber dröhnen, muss letzterer gestrichen werden! Dafür könnte man dem Süden dann die Starts zuteilen: Da diese bei uns im Norden dröhnen, ist davon auszugehen, dass sie in der Gegenrichtung beim Starten keine Geräusche abgeben.
Wie auch immer: Während rundum hin und her gestritten wird, ob die Esel in Deutschland, Kloten, Bern oder Zürich zu suchen seien, weiss ich es mit Gewissheit: Mindestens zwei davon finden Sie auf der Weide bei meiner Schwester im Zürcher Oberland.