Einkaufszentrum statt Hub?
Flughafennahe Kreise und das Flughafen-Management befürchten, dass eine Abkehr von der Hub-Strategie den Tod des Flughafens Zürich bedeutet, oder zumindest die Versenkung in der provinziellen Bedeutungslosigkeit. Das Korsett der deutschen Flugbeschränkungen und die dadurch nötig gewordenen Südanflüge werden gar als letzter Sargnagel für den Flughafen angesehen. Das Schreckgespenst Arbeitslosigkeit wird an die Wand gemalt, und der Schaden für den Wirtschaftsstandort Schweiz wird auf zweistellige Milliardensummen geschätzt. Nach wie vor messen sich die Flughafen-Manager mit Flughäfen wie Frankfurt und München, die ungleich grössere Einzugsgebiete aufweisen.
Dabei gibt es sehr wohl Lösungsansätze, die sowohl den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Ansprüchen aller Beteiligten gerecht werden. Verkehrsexperten wie Thomas Bieger und Jens Bornand haben aufgezeigt, dass ein Hub nur wirtschaftlich nachhaltig ist, wenn ein vernünftiges Verhältnis zwischen dem lokalen Einzugsgebiet und dem natürlichen und gesellschaftlichen Umfeld gegeben ist. In Zürich ist einerseits der lokale Markt im Vergleich zu anderen Hubs sehr klein, andererseits grenzt der Flughafen direkt an dicht besiedeltes Gebiet.
Ein wesentliches Merkmal von Hubs ist der hohe Anteil an Transitpassagieren, sowie hohe Flugdichten während sensiblen Randzeiten ( An- und Abflugswellen). Transitpassagiere generieren einen deutlich geringeren volkswirtschaftlichen Nutzen aber doppelt so viele Lärmemissionen (zwei Flugbewegungen pro Reiseweg) als lokale Flugkunden. Die Konzentration auf den Heimmarkt würde eine Reduktion der Flugbewegungen auf unter 200'000 pro Jahr bringen, wobei immer noch rund 100 Destinationen umsteigefrei erreichbar sein dürften.
Was geschieht nun mit der auf ein Hubkonzept mit hohen Spitzenbelastungen ausgelegten Flughafeninfrastruktur im Falle einer Reduktion auf 200'000 Flugbewegungen? Ein grosszügiger Qualitätsflughafen in vernünftigem Verhältnis zum Einzugsgebiet wäre die sinnvollste Lösung. An- und Abflugswellen während Randstunden und deutschen Sperrzeiten würden grösstenteils wegfallen. Nicht mehr benötigte Anlageteile könnten zu wirtschaftlich interessanten Einkaufs- und Freizeitzentren umgenutzt werden.
Wir Anwohner hätten endlich unsere wohlverdiente Ruhe, und gleichzeitig wären für den Flughafen Entschädigungsforderungen in Milliardenhöhe vom Tisch. Vielleicht werden diese Weihnachtsträume eines Tages sogarWirklichkeit?!