Betroffen
Jahrzehntelang war der Klotener Fluglärm in der Pfannenstiel-Region, am Oberen Zürichsee und in angrenzenden Regionen kein Thema...
...im Gegenteil: Eltern reisten mit Ihren Sprösslingen nach Kloten, bestaunten die stattliche Flotte der Swissair und schauten begeistert den imposanten Fliegern nach, wie sie unter Getöse durch graue Wolken nach sonnigen Zielen abhoben. In Diskussionen und an Abstimmungen wurde immer wieder bekräftigt, wie wichtig doch diese Drehscheibe für den Standort Zürich und für die gesamte Schweizer Wirtschaft sei. Alle waren sie stolz auf ihren überproportional grossen Flughafen mit den stolzen Wachstumsraten, die nur auf Kosten einer massiven
Beeinträchtigung der Lebensqualität anderer Menschen möglich waren. Für die betroffenen Anwohner blieb nur ein mitleidiges Schulterzucken - wer dort wohnt ist selber schuld.
Bereits die Ankündigung der nötig gewordenen Umverteilung des Fluglärms führte zu einer erhöhten Aufmerksamkeit und zu ersten Protesten. Plötzlich wurde der Lärm eines Flugzeugs im Landeanflug als Lärm wahrgenommen und nicht nur als leichtes Säuseln, das höchstens überempfindliche Süddeutsche Ohren als störend empfinden könnten. Heute, wo die Südanflüge Realität geworden sind, machen sich Empörung und Betroffenheit breit. Sogar dort wo Nachbars Fernseher und die Strasse neben dem Haus lauter zu hören sind als die vereinzelten Überflieger, fühlen sich die Leute plötzlich betroffen und ungerechterweise belärmt. Eltern reisen wieder mit ihren Sprösslingen nach Kloten, doch diesmal demonstrieren sie gegen die Südschneise und schauen gelben Ballonen nach.
Die teuer erkaufte Ruhe ist dahin und was bleibt ist die bittere Erkenntnis, jetzt auch zu den Betroffenen zu gehören. Es ist sinnlos den Fluglärm wie den Schwarzen Peter abschieben zu wollen, um auf Kosten anderer in Ruhe leben zu können. Das einzig Sinnvolle ist ein massvoller, umwelt- und anwohnerverträglicher Flughafen, der in einem vernünftigen Verhältnis zum Einzugsgebiet steht. Es bestehen berechtigte Zweifel, dass dies der Flughafen ohne eine Beschränkung der Flugbewegungen schaffen wird. Wir können nur hoffen dass jetzt auch unter den neu Betroffenen die Einsicht wächst, dass nur ein massvoller Flughafen ein guter Flughafen ist.
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